Keplerstadt

Stadtarchiv

Archivale des Monats

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Artikel 1-10 von 62
01.11.2019
Anton Gall war ein überaus aktiver und neugieriger Mensch. Sein Hauptinteresse galt der Geschichte seiner Heimatstadt Weil. Gall war 1949 Gründungsmitglied des Heimatvereins Weil der Stadt, als Hobbyhistoriker verfasste er in den 1930er Jahren bis zu seinem Tod 1958 eine Reihe von historischen Aufsätzen und Zeitungsartikeln.
Der Nachlass von Anton Gall wurde im Dezember 2018 durch seine Enkeltochter dem Stadtarchiv übergeben.
01.10.2019
Am 2. Dezember 1755 kommt es zwischen dem Pfarrer Grau, der in Begleitung des Meßners und einer kleinen Abordnung aus Himmelträgern und Chorschülern auf dem Weg ins Spital ist, und einem ortsfremden Bauer zu einer verbalen Auseinandersetzung, weil der Bauer sich geweigert hat, seinen Hut zu heben als Ehrbezeugung vor dem Allerheiligsten. Die Angelegenheit kommt vor den Stadtrat und der Bauer wird verhört. Er entschuldigt sich für sein Verhalten, einer späteren Vorladung kommt er aber nicht nach, auch der Obervogt von Liebenzell bzw. Calw verpflichtet ihn nicht dazu.
01.09.2019
Der Schlosser Ferdinand Rothacker stellt 1806 beim Oberamt und Stadtrat Weil der Stadt den Antrag, dass ihm ein Grundstück außerhalb der Stadtmauer zum Kauf angeboten wird, das der Hechtwirt David Wolf in Pacht bewirtschaftet. Rothacker will auf dem Grundstück am Gerberbach eine Schleifmühle bauen zur Verbesserung seines Betriebs als Schlosser. Der Stadtrat vertagt die Entscheidung über Rothackers Eingabe, um sich einen Eindruck vor Ort zu verschaffen. Rothackers Eingabe wird danach aber nicht mehr vor dem Rat behandelt, der Plan kommt nicht zur Ausführung, von einer Schleifmühle beim Küfertörle findet sich nichts in anderen Unterlagen.
01.08.2019
Am 17. April 1822 stellte der Magistrat Weil der Stadt ein Gesuch an die königlich württembergische Regierung, einen Bürgergarde aufstellen zu dürfen. Es ist aber zweifelhaft, ob 1822 tatsächlich schon die Bürgergarde gegründet wurde, denn in den Folgejahren hört man nichts mehr von ihr. Erst wieder im November 1828, als ein Schreiben des Oberamts über die Lieferung von Waffen im Weiler Rathaus einging. Nun sind im Stadtarchiv Dokumente vom Mai 1829 aufgetaucht, die nahelegen, dass die Bürgergarde in dieser Zeit gegründet wurde.
01.07.2019
Zum Ruggericht hatten sich alle Bürger und Beisitzer einer Gemeinde an einem vom Oberamt bestimmten Termin vor dem Rathaus einzufinden. Zunächst wurden der Schultheiß und die neun Gemeinderäte befragt, ob sie etwas zu rügen hätte. Anschließend hatten die Bürger und Beisitzer das Recht, ihre Wünsche und Vorschläge über die Verbesserung der Verwaltung oder etwaige Beschwerden vorzubringen. Das Ruggericht Schafhausen 1791 führt 94 Bürger und Beisitzer, 11 Witwen und 16 unverheiratete Bürgersöhne auf, die befragt wurden.
29.05.2019
Der Eintrag im Ratsprotokoll vom 29.8.1794 ist aus mehreren Gründen interessant, löst aber auch Befremden aus. Der Feldschütz wurde zusammen mit anderen öffentlichen Aufgaben im Zuge der jährlichen Vergabe der Martinidienste bestimmt. Er hatte die Aufgabe, über die Felder und Gärten außerhalb der Stadt zu wachen und einen Diebstahl dem Rat anzuzeigen. Dass er für einen gemeldeten Fall eine Art Fangprämie von 30 Kreuzer erhielt, das entsprach etwa dem Taglohn eines Handwerkers, war sicherlich ein zusätzlicher Anreiz, seinem Dienst sehr genau nachzugehen. Anders als die übrigen Martinidienste wurde der Feldschütz nicht aus der Stadtkasse bezahlt, er bekam vielmehr Naturalien von den Bürger. Wie fast alle Dienste für die Stadt, war der Feldschütz nebenamtlich beschäftigt und hatte einen anderen Hauptberuf, Fidelis Nachbauer war Bäcker.
02.05.2019
Wenige Tage nach Ende des 1. Weltkriegs verkündete der im Zuge der November-Revolution an die Macht gekommene Rat der Volksbeauftragten in Berlin:
„Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystem für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen.“
In der Verordnung vom 30. 11. 1918 über die Wahlen zur verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung wurde dann das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht gesetzlich fixiert. Am 19. Januar 1919 war die erste reichsweite Wahl, bei welcher Frauen wählen durften und selbst gewählt werden konnten.

Bei der Gemeinderatswahl am 18. Mai 1919 in Weil der Stadt gab es zwei Frauen unter den insgesamt 36 Bewerbern. Agnes Schwab, Arztwitwe, kandidierte für die Deutsche Demokratische Partei (DDP), Stefanie Lutz, die Löwenwirtin, trat auf der Liste des katholischen Volksvereins an. Der landwirtschaftliche Verein und die
01.04.2019
Mit den Erlassen an die Oberämter und die Ortsvorstände wurde eine groß angelegte Hetzjagd auf den berüchtigten Räuber und Wilderer Johann Josef Rothenbühler von Rohrbach bei Sinsheim in Gang gesetzt, die schon bald erfolgreich beendet wurde, allerdings nicht auf Weil der Städter Boden. Elf Tage nachdem man den Erlass auf dem Weil der Städter Rathaus verlesen hatte, wurde Rothenbühler an der Grenze zu Baden vom Sonnenwirt Berger aus Besenfeld gefangen genommen. Dieser erhielt dafür „in Anerkennung seines mutigen und entschlossenen Verhaltens“ am
6. September 1825 die silberne Verdienstmedaille vom König.
01.03.2019
Das Gemeinderatsprotokoll vom 15.1.1768 berichtet über eine Auseinandersetzung zwischen dem amtierenden Bürgermeister und dem Stadtschultheißen, die sich in der Bewertung einer Bürgeraktion nicht einig waren. Der Hintergrund des Streits ist, dass einige Bürger an einem Sonntag abend eine „Türkenmusik“ veranstaltet und sich verkleidet haben, was ihnen umgehend vom Schultheißen untersagt wurde. Die Bürger haben ihre „Türkenmusik“ am folgenden Abend wiederholt. Vorher hatten sie sich allerdings an den amtierenden Bürgermeister gewandt, der die die Aktion genehmigt hat. Darauf wurden sie vom Schultheißen aufs Rathaus befohlen und verhört, was wiederum den Amtsbürgermeister auf den Plan rief, der sich in seiner Autorität beschnitten sah. Ein typischer Streit um Einfluss und Macht also.
01.02.2019
Dem Gemeinderatsprotokoll vom 11.3.1768 ist ein Lehrvertrag zwischen dem Löwenwirt Conrad Schütz und dem Lehrjungen Marquard Daub bzw. seines Onkels und Mentors Stiftsprediger Daub aus Rottenburg angeschlossen. Hintergrund dieses ungewöhnlichen Vorgangs ist wohl, dass der geistliche Onkel des Lehrjungen Daub, der möglicherweise auch Vormund seines vaterlosen Neffen war, dem Lehrvertrag als privatrechtlichem Akt durch die Aufnahme ins Ratsprotokoll eine größere Verbindlichkeit geben wollte. Es war zu dieser Zeit üblich, dass Lehrlinge für ihre Ausbildung Geld bezahlen mussten. Da der Beruf des Lebkuchenbäckers selten war, gab es vermutlich in Rottenburg, der Heimatstadt des Lehrjungen, keinen Lebkuchenbäcker, so dass es für Stiftsprediger Daub nahelag, seinen Neffen im katholischen Weil der Stadt unterzubringen. Aber auch Lehrherr Conrad Schütz musste sich einen Konditor aus Stuttgart holen, da ihm selbst das Fachwissen fehlte.
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