Keplerstadt

Stadtarchiv

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02.05.2019
Wenige Tage nach Ende des 1. Weltkriegs verkündete der im Zuge der November-Revolution an die Macht gekommene Rat der Volksbeauftragten in Berlin:
„Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystem für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen.“
In der Verordnung vom 30. 11. 1918 über die Wahlen zur verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung wurde dann das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht gesetzlich fixiert. Am 19. Januar 1919 war die erste reichsweite Wahl, bei welcher Frauen wählen durften und selbst gewählt werden konnten.

Bei der Gemeinderatswahl am 18. Mai 1919 in Weil der Stadt gab es zwei Frauen unter den insgesamt 36 Bewerbern. Agnes Schwab, Arztwitwe, kandidierte für die Deutsche Demokratische Partei (DDP), Stefanie Lutz, die Löwenwirtin, trat auf der Liste des katholischen Volksvereins an. Der landwirtschaftliche Verein und die
01.04.2019
Mit den Erlassen an die Oberämter und die Ortsvorstände wurde eine groß angelegte Hetzjagd auf den berüchtigten Räuber und Wilderer Johann Josef Rothenbühler von Rohrbach bei Sinsheim in Gang gesetzt, die schon bald erfolgreich beendet wurde, allerdings nicht auf Weil der Städter Boden. Elf Tage nachdem man den Erlass auf dem Weil der Städter Rathaus verlesen hatte, wurde Rothenbühler an der Grenze zu Baden vom Sonnenwirt Berger aus Besenfeld gefangen genommen. Dieser erhielt dafür „in Anerkennung seines mutigen und entschlossenen Verhaltens“ am
6. September 1825 die silberne Verdienstmedaille vom König.
01.03.2019
Das Gemeinderatsprotokoll vom 15.1.1768 berichtet über eine Auseinandersetzung zwischen dem amtierenden Bürgermeister und dem Stadtschultheißen, die sich in der Bewertung einer Bürgeraktion nicht einig waren. Der Hintergrund des Streits ist, dass einige Bürger an einem Sonntag abend eine „Türkenmusik“ veranstaltet und sich verkleidet haben, was ihnen umgehend vom Schultheißen untersagt wurde. Die Bürger haben ihre „Türkenmusik“ am folgenden Abend wiederholt. Vorher hatten sie sich allerdings an den amtierenden Bürgermeister gewandt, der die die Aktion genehmigt hat. Darauf wurden sie vom Schultheißen aufs Rathaus befohlen und verhört, was wiederum den Amtsbürgermeister auf den Plan rief, der sich in seiner Autorität beschnitten sah. Ein typischer Streit um Einfluss und Macht also.
01.02.2019
Dem Gemeinderatsprotokoll vom 11.3.1768 ist ein Lehrvertrag zwischen dem Löwenwirt Conrad Schütz und dem Lehrjungen Marquard Daub bzw. seines Onkels und Mentors Stiftsprediger Daub aus Rottenburg angeschlossen. Hintergrund dieses ungewöhnlichen Vorgangs ist wohl, dass der geistliche Onkel des Lehrjungen Daub, der möglicherweise auch Vormund seines vaterlosen Neffen war, dem Lehrvertrag als privatrechtlichem Akt durch die Aufnahme ins Ratsprotokoll eine größere Verbindlichkeit geben wollte. Es war zu dieser Zeit üblich, dass Lehrlinge für ihre Ausbildung Geld bezahlen mussten. Da der Beruf des Lebkuchenbäckers selten war, gab es vermutlich in Rottenburg, der Heimatstadt des Lehrjungen, keinen Lebkuchenbäcker, so dass es für Stiftsprediger Daub nahelag, seinen Neffen im katholischen Weil der Stadt unterzubringen. Aber auch Lehrherr Conrad Schütz musste sich einen Konditor aus Stuttgart holen, da ihm selbst das Fachwissen fehlte.
02.01.2019
Am 2.11.1776 lässt der Münklinger Bürger Johannes Lechler ein Testament aufsetzen, das im Wesentlichen darin besteht, dass er seine 3 Töchter aus erster Ehe enterbt. Die Töchter hatten ihn wegen Inzest und Missbrauch seiner jüngsten Tochter Magdalena verklagt. Lechler war wegen dieses Vorwurfs 46 Tage lang im Gefängnis gesessen, war aber letztlich von dem Vorwurf freigesprochen worden. Eigentlich wäre für diesen Vorgang der Münklinger Schultheiß zuständig gewesen. Vermutlich wollte Lechler aber, dass die Enterbung seiner Töchter nicht vorzeitig im Ort bekannt wird und hat sein Testament deshalb vom Calwer Stadtschreiber aufsetzen lassen. Auch die Zeugen waren wohl von dort.
03.12.2018
Die Wochenblattausgaben im Dezember 1917 haben einen Umfang von vier Sei-ten, auch die Weihnachtsausgaben, die früher wegen der Werbung für Weihnachtsgeschenke doppelt so stark waren. Die Menschen haben nach vier Jahren Krieg anderes im Sinn als Geschenke zu kaufen. Der Mangel an Geld und an Lebensmitteln bestimmt das Leben. Nur zwei Inserate werben für Weihnachtsgeschenke.
01.11.2018
Die Heeresberichte im Wochenblatt sind auch in den letzten Kriegstagen noch geschönt und täuschen die Leser darüber hinweg, dass der Krieg verloren ist. Auch von der Weigerung der Kieler Matrosen, zu einer letzten sinnlosen Schlacht gegen die englische Flotte auszulaufen, erfahren die Leser nichts. Beide Faktoren sind später aber entscheidend dafür, dass später eine „Dolchstoßlegende“ in rechten Kreisen entsteht, die besagt, dass das deutsche Heer im Felde unbesiegt geblieben sei und erst durch die revolutionären Umtriebe in der Heimat den Dolchstoß erhalten habe. Diese Verdrehung der tatsächlichen Kriegslage ist später mitverantwortlich dafür, dass Hitler 1933 an die Macht kommt.
01.10.2018
Am 9. November 1792 wird der Chirurg Adam Siegle vor den Stadtrat berufen und zu den Umständen bei der Niederkunft der Frau des Schusters Joseph Kürner befragt, die zum zweiten Mal ein totes Kind geboren hatte. Durch die Befragung wollte der Rat in Erfahrung bringen, ob der Hebamme Marianna Schray ein Fehler unterlaufen war oder ein strafwürdiges Delikt vorlag.
01.09.2018
Das Spitallagerbuch von 1748 ist sicher der prachtvollste Band im Stadtarchiv.
Zweck und Inhalt des Spitallagerbuchs ist zu allererst die Beschreibung des gesamten Besitzes des Spitals. Dazu gehörten die Gebäude und Nebengebäude des Spitals in der Renninger Vorstadt sowie die Planmühle an der Markungsgrenze zu Malmsheim, ferner aller Besitz an Äckern, Wiesen, Baum- und Grasgärten, der sowohl in wörtlicher Beschreibung wie auch als maßstabsgetreue Skizze festgehalten ist.
01.08.2018
Am 15. April 1768 wurde vor dem Gemeinderat ein Diebstahl verhandelt, den Jung Joseph und Anna Maria Baumgärthner begangen haben. Obwohl im Protokoll eingeräumt wird, dass es sich nur um einen geringfügigen Diebstahl gehandelt hat, werden die beiden zu je 60 Rutenstreichen und Turmstrafe verurteilt. Zum Schmerz kam noch die Schmach, da die Prügelstrafe öffentlich vollzogen wurde. Die jugendlichen Diebe und ihre Familie waren dadurch in der städtischen Gesellschaft gebrandmarkt. Aus heutiger Sicht erscheint diese Strafe überaus hart, auch wenn sie im Protokoll als eine milde Strafe bezeichnet wird.

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