Keplerstadt

Stadtarchiv

Archivale des Monats

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01.08.2016
Seit 1802/03 war Weil der Stadt keine Reichsstadt mehr, die unmittelbar dem Kaiser unterstellt war. Vielmehr war sie jetzt unter württembergischer Verwaltung, eine kleine württembergische Amtsstadt, die bis 1808 Sitz eines Oberamtes war. Dies war nicht unbedingt ein Vorteil für die Stadt, denn der von Württemberg eingesetzte Oberamtmann hatte zugleich den Vorsitz für den Stadtrat und kontrollierte diesen.
01.07.2016
Unter König Wilhelm I (1816-1874) erhielt Württemberg 1819 eine neue Verfassung, die dem Grundsatz der Gewaltentrennung von Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung folgte. Die Rechtspflege wurde neu geordnet: auf der lokalen Ebene gab es das Gemeinde-gericht, dem der Schultheiß vorstand. Neben den Aufgaben der freiwilligen Gerichtsbarkeit (Regelung von Vermögensangelegenheiten, Inventuren und Teilungen, Nachlass und Vormundschaftsgeschäfte) wurden vor dem Gemeindegericht Vermögensstreitigkeiten von geringem Wert und Streitfälle, bei denen ein Vergleich möglich war, behandelt.
Für die eigentliche Strafgerichtsbarkeit war seit 1819 das Oberamtsgericht Leonberg mit einem jetzt eigens bestellten Oberamtsrichter zuständig. Der Oberamtsrichter hatte die Aufsicht über die Rechtspflege im Oberamt, er konnte Freiheitsstrafen bis 4 Wochen und Geldstrafen von höchstens 30 Talern verhängen.
02.06.2016
In den vorliegenden Fällen wird der Kirchenkonvent eingeschaltet, weil sich der Aushilfs-lehrer Ströbele von Franziska Schwarz herabgewürdigt sieht, die ihn vor seinen Schülern beschimpft und seine Qualifikation in Zweifel gezogen hat. 9 Jahre später tritt der Kirchen-konvent erneut wegen Franziska Schwarz zusammen, diesmal, weil sie sich von ihrem Ehemann scheiden lassen will. Der Kirchenkonvent bedeutet ihr aber, sie solle sich angesichts ihres fortgeschrittenen Alters in ihr Schicksal fügen, ermahnt aber auch den Ehemann, sein verschwenderisches Betragen aufzugeben.
02.05.2016
Bäckermeister Franz Schöninger wendet sich im Mai 1915 mit seiner Beschwerde wegen Beleidigungen und wegen der Misshandlung seiner Kinder direkt an das Oberamt Leonberg, die dem Stadtschultheißenamt Weil der Stadt übergeordnete Behörde, weil er annimmt, dass die hiesige Stadtverwaltung seiner Beschwerde nicht mit dem nötigen Nachdruck verfolgt. Schöninger glaubt, dass sein Kontrahent und Nachbar Bäcker Hermann bevorzugt behandelt wird, weil dieser und Verwaltungsaktuar Hermann Schütz dieselbe Schulklasse besuchten.
Vom Oberamt wird die Streitsache aber umgehend an das Stadtschultheißenamt Weil der Stadt zurückverwiesen, das die Kontrahenten befragt und ihnen Strafen androht, wenn sie ihre Streitereien nicht beenden. Offenbar ließ das Weiler Rathaus in diesem Fall tatsäch-lich den nötigen Eifer vermissen, denn Schöninger sieht sich 2 Wochen später genötigt, die Behandlung seiner Beschwerde beim Oberamt anzumahnen.
01.04.2016
Antonie Albinger (12.6.1908-8.5.1999) war von Beginn an dabei, als 1949 der Hei-matverein Weil der Stadt gegründet wurde. Als langjährige Lehrerin an der Volksschule Weil der Stadt brachte sie Generationen von Schülern die Weiler Heimat und Stadtgeschichte nahe. Antonie Albinger, in Rottenburg a.N. geboren, war Weil der Städterin aus Leidenschaft, sie war Vorstands- und Ehrenmitglied des Heimatvereins Weil der Stadt und betreute von 1971 bis 1986 das Heimatmuseum. Nach ihrem Tod übergaben ihre Erben den Nachlass der Stadt Weil der Stadt als Dauerleihgabe, der im Stadtarchiv unter bestimmten Bedingungen eingesehen werden kann.
01.03.2016
Wenn Soldaten vor den Toren Weil der Stadts auftauchten oder auch nur in der Ge-gend waren, versprach dies für die nahe Zukunft nichts Gutes. Und es war zweitrangig, ob es sich um befreundete kaiserliche Truppen oder um feindliche Heere handelte: In beiden Fällen hatte die Stadt hohe finanzielle Lasten zu tragen, die sie an den Rand des Ruins führte.
01.02.2016
Der frühere Briefträger Josef Haiß hatte in einem Zeitraum von 5 Jahren bei 76 verschiede-nen Personen aus der Stadt und von außerhalb Schulden in Höhe von 788,71 Mark ge-macht, die er nicht mehr bezahlen konnte. Ein kleiner Geldbetrag in Höhe von 23 Mark aus einer Erbschaft, die ausgezahlte Lebensversicherung sowie eine weitere Verpfändung seiner Liegenschaften ergaben einen Gesamtbetrag von 298 Mark, der verteilt werden konnte. In einem aufwendigen Verfahren wurden nun die Gläubiger angeschrieben, ob sie sich mit der Auszahlung von 20% ihrer Forderung begnügen.
11.01.2016
Zu den Einnahmequellen Weil der Stadts im 17. und 18. Jahrhundert zählte auch das Um-geld. Das Umgeld (etymologisch von „Ohm“-Geld, „Ohm“ von „Eimer“) wird später zum war eine Art städtischer Steuer, die in jährlichen Rechnungen erhoben wurde. Mit dem Umgeld wurde der Wein besteuert, der in den Wirtshäusern der Stadt konsumiert wurde. Zwei Rechner veranschlagten im Auftrag der Stadt, welchen Betrag die örtlichen Wirte an die Stadtkasse zu bezahlen hatten. Als Umgeld-Rechner wählte man meist Gemeinderäte aus, die für ihre Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung von jährlich 3 Gulden erhielten.
01.12.2015
Die Wochenblattausgaben im Dezember 1915 haben einen Umfang von vier Seiten, auch die Weihnachtsausgaben, die früher wegen der Werbung für Weihnachtsgeschenke doppelt so stark waren. Die Menschen im Kriegsjahr 1915 haben anderes im Sinn als Geschenke zu kaufen. Die Sorge gilt den Soldaten im Feld, denen man mit warmer Wäsche eine Freude bereiten könnte oder denen man mit einem „Weihnachtsbäumchen in der Feldpost-Schachtel“ aus dem Sortiment von Julius Raeth ein bisschen Heimeligkeit und weihnachtliche Atmosphäre in die Gefechtsstände oder Schützengräben liefern möchte.
02.11.2015
Am 20.11.1936 stellte der kath. Stadtpfarrer Heinrich Wildt eine Liste der Auswande-rer zusammen, die zwischen 1810 und 1870 (eigentlich: zwischen 1830 und 1852) ausgewandert sind. Wildt gab seine Liste ans hiesige Bürgermeisteramt ab, wo sie mit der Schreibmaschine abgeschrieben und an das Reichsgesundheitsamt in Ber-lin-Dahlem verschickt wurde. Warum man dort diese Unterlagen angefordert hatte, geht aus der Akte nicht hervor.

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Hausen liegt ca. 30 km westlich von Stuttgart im idyllischen Heckengäu und ist auf jeden Fall einen Besuch wert!