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Ein Weiler Unikat mit der Kraft Menschen zu verbinden


Bürgermeister Thilo Schreiber überreicht Herrn Josef Seethaler ein Aquarell mit Ansichten aller 5 Stadtteile als Geschenk der Stadt
Bürgermeister Thilo Schreiber überreicht Herrn Josef Seethaler ein Aquarell mit Ansichten aller 5 Stadtteile als Geschenk der Stadt

„Ein Südmährer, der wirklich immer an vorderster Front gekämpft hat“, schreibt eine Userin auf Facebook. Ein Schaffer, Freund, Helfer, Mahner und Zusammenführer, sagt Bürgermeister Thilo Schreiber. „Solange ich noch kann setze ich meine Kraft für die Bürger in Weil der Stadt ein“, sagt er selbst. Josef Seethaler, ein absolutes Weiler Unikat und Träger der Bürgermedaille in Gold, feierte am Freitag seinen 90. Geburtstag.
 
Josef Seethaler und Weil der Stadt, das ist eine große Liebe. Obwohl der Jubilar auf unschönen Wegen in die Keplerstadt kam. Geboren wurde er 1928 in dem 900-Einwohner kleinen Dorf Moskowitz bei Znaim in Südmähren. 1944 macht er seinen Realschulabschluss und wurde ein Jahr vor Kriegsende noch eingezogen. Nach seiner Rückkehr war für die deutschstämmigen in der damaligen Tschechoslowakei nichts mehr wie früher und endete in der Vertreibung über Znaim nach Westdeutschland. Mit dem Wenigen was sie tragen konnten verließen Josef Seethaler, seine Mutter und seine sieben Geschwister die Heimat. „Meine Mutter hat Unfassbares geleistet. Das jüngste Kind erst drei Jahre alt und mein Vater war kurz zuvor gestorben“, erinnert er sich. Auch hat er noch genau vor Augen, wie die Großfamilie in Weil der Stadt ankam. „In Lkws auf dem Marktplatz. Wir bekamen Decken aus der Wolldeckenfabrik.“ Das war im Juli 1946. Fast 72 Jahre später blickte Josef Seethaler zurück auf sein bewegtes Leben - gemeinsam mit Wegbegleitern, Freunden und seiner Familie. Bei einem Ehrenempfang im Weil der Städter Rathaus kamen einige zu Wort. Alle sagen: Josef Seethaler hat Menschen zusammengebracht. Seine Vergangenheit ließ ihn nie in Ruhe. Nur statt damit zu hadern machte er für sich daraus eine Lebensaufgabe. Er beschloss zu helfen.

Von links nach rechts: Bürgermeister Thilo Schreiber, Sprecher des Südmährerbund Franz Longin, Träger der Bürgermedaille in Gold Josef Seethaler, Ehem. BdV-Landesvorsitzender Arnold Tölg, CDU-Bundestagsabgeordneter Marc Biadacz, CDU-Stadtverbandsvorsitzender Joachim Oehler und BdV-Kreisverbandsvorsitzender Zvonko Albert
Von links nach rechts: Bürgermeister Thilo Schreiber, Sprecher des Südmährerbund Franz Longin, Träger der Bürgermedaille in Gold Josef Seethaler, Ehem. BdV-Landesvorsitzender Arnold Tölg, CDU-Bundestagsabgeordneter Marc Biadacz, CDU-Stadtverbandsvorsitzender Joachim Oehler und BdV-Kreisverbandsvorsitzender Zvonko Albert

1948 trat er in den Bund der Vertriebenen (BdV) ein, unterstützte andere Heimatvertriebene mit aller Kraft bei Behördengängen, der Wohnungs- und Arbeitssuche. Und er setzte sich ein für ein gutes Miteinander in Weil der Stadt. Noch heute, in seinem hohen Alter, ist er der Vorsitzende der Weiler BdV-Ortsgruppe. Inzwischen seit über 50 Jahren. „Er hat unzähligen Menschen geholfen“, sagt der ehemalige BdV-Landesvorsitzende Arnold Tölg. Auch der Kreisverbandsvorsitzende Zvonko Albert brachte seine Bewunderung zum Ausdruck: „Ich bin stolz darauf, dein Freund sein zu dürfen.“

Sprecher des Südmährerbund Franz Longin steckte Josef Seethaler das „Große Südmährische Ehrenzeichen in Gold“ ans ReversDer Südmährerbund ließ es sich ebenfalls nicht nehmen ihren Mitstreiter besonders zu würdigen: Sprecher Franz Longin steckte Josef Seethaler das „Große Südmährische Ehrenzeichen in Gold“ ans Revers. „Ohne Menschen wie dich, hätte sich die Charta der deutschen Heimatvertriebenen nie erfüllt.“ Die Charta, ein Werk, das Rechte und Pflichten der Flüchtlinge und Vertriebenen nennt, den Verzicht auf Rache und Vergeltung und den Willen sich am Wiederaufbau Deutschlands und Europas zu beteiligen.
 
Und so galt Josef Seethalers großes Engagement nicht nur den Vertriebenen aus der alten Heimat. Auch für seine neue Heimat wollte er einstehen. Dazu gehörte für ihn sich politisch zu beteiligen. 1953 – mit 25 Jahren - wurde er in den Gemeinderat gewählt. Damals war er der jüngste Gemeinderat in ganz Baden-Württemberg. Erst habe er nicht gedacht erfolgreich zu kandidieren, erzählt er beim Ehrenempfang. Er sei ledig gewesen und ein Flüchtling. „Aber wenigstens war ich katholisch“, sagt er und lacht. Bis 1980 gestaltete er ununterbrochen die Entwicklung der Stadt mit. Selbst als er 1969 einen tragischen Autounfall hatte und fast seine Stimme verlor, war das für ihn kein Grund sich zurückzuziehen. Die CDU, wo er seit 64 Jahren aktives Mitglied ist, weiß was sie an Männern wie Josef Seethaler hat. Deshalb waren auch von der Partei viele Vertreter beim Ehrenempfang anwesend um persönlich zu gratulieren. Darunter der Bundestagsabgeordnete Marc Biadacz und der Stadtverbandsvorsitzende Joachim Oehler. Beide sprachen ebenfalls lobende und anerkennende Grußworte.
 
Josef Seethaler, ein absolutes Weiler Unikat und Träger der Bürgermedaille in Gold, feierte seinen 90. GeburtstagJosef Seethaler ist in Weil der Stadt fest verwurzelt. Hier hat er in Haus gebaut, hier hat er seine Frau Elisabeth getroffen, mit der er bis zu ihrem Tod 1998 glücklich war. Hier haben die Beiden ihre drei Kinder großgezogen. Hier erlebt er, wie seine drei Enkel und seine sechs Urenkel die Familie bereichern. Damit sie in Frieden heranwachsen können, hat Josef Seethaler sein Ziel, die Zukunft besser zu machen, nie aus den Augen verloren. Die Versöhnung der Menschen war ihm immer eine Herzensangelegenheit. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm die Unterzeichnung der Städtepartnerschaft mit Riquewihr im Jahr 1961. Bei der 50-Jahr-Feier durfte er als einzig noch lebender Unterzeichner vor etwa 300 Gästen sprechen. „Sie haben meine Worte über die Versöhnung gehört und stehend applaudiert.“ Als er das erzählt, steigen Josef Seethaler die Tränen in die Augen. „Ich habe in den letzten Tagen innegehalten und viel über mein Leben nachgedacht“, sagte er leise. „Ich bin zu dem Schluss gelangt: Ich habe alles richtig gemacht.“
 

Bürgermeister Thilo Schreiber überreicht Herrn Josef Seethaler die Ehrenurkunde des Landes Baden-Württemberg zum 90. GeburtstagBürgermeister Schreiber fasste zusammen: „Josef Seethaler - ein Glücksfall für Weil der Stadt und Weil der Stadt ein Glücksfall für Josef Seethaler!“. Dabei überreichte er die Ehrenurkunde des Landes Baden-Württemberg zum 90. Geburtstag sowie ein Aquarell mit Ansichten aller 5 Stadtteile als Geschenk der Stadt.
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Redakteur / Urheber
Pressebüro Schiel

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