Stadtleben

Jugendliche verschiedener ethnischer Gruppen auf einem Schulhof

Aktuelles

Maßnahmen gegen das Insektensterben


Am Renninger Berg in Weil der Stadt sollen die Insekten nicht sterben

Landwirte, Jäger und ehrenamtliche Naturschützer haben Maßnahmen gegen das Insektensterben initiiert

Landschaftserhaltungsverband des Landkreises Böblingen (LEV) unterstützt das Projekt

 
Am Renninger Berg bei Weil der Stadt haben sich Naturschützer, Landwirte und Jäger zusammengeschlossen, um etwas für den Insektenschutz zu tun. Koordiniert wird die Naturschutzarbeit vom Landschaftserhaltungsverband Landkreis Böblingen e.V. (LEV). Die ehrenamtlichen aktiven Mitglieder des NABU Weil der Stadt beobachten und kartieren seit Jahren die Pflanzen-, Vogel- und Insektenwelt am Renninger Berg und führen in Herbst und Winter eine schonende Magerrasen- und Heckenpflege durch. Jäger Franz Decker und Landwirt Michael Borger haben eine mehrjährige Blühfläche angelegt, auf der Insekten im Spätsommer Nahrung und im Winter einen Platz zur Überwinterung finden. Und Landwirt Georg Riehle betreibt auf seinen Wiesen Insektenschutz, indem er immer wieder Streifen ausspart, um möglichst vielen Insekten ein Rückzugshabitat zu bieten.
 
„Das ist ein nachahmenswertes Beispiel, wie das Engagement vieler Beteiligter zusammengeführt und von unserem LEV koordiniert wird“, lobt der stellvertretende Landrat Martin Wuttke. „Ein tolles gemeinsames Engagement für den Insektenschutz.“
 
Alle Beteiligten erhalten für ihren Aufwand einen finanziellen Ausgleich über die Landschaftspflegerichtlinie. Das Land Baden-Württemberg hat im Herbst 2017 das Sonderprogramm Biologische Vielfalt ins Leben gerufen, wodurch nun erheblich mehr Landesmittel ins Förderprogramm Landschaftspflegerichtlinie fließen. Die Unterstützung des Landkreises Böblingen erfolgt über die Arbeit des LEV, der das Bindeglied zwischen den Beteiligten ist und die Fördergelder organisiert.
 
Das Insektensterben ist seit Jahren ein großes Thema. Die Fluginsektenbiomasse ist lt. einer Studie seit 1980 um 77% zurückgegangen. „Wir wissen nicht, in welchem Maß der Rückgang im Landkreis Böblingen ist, weil es dazu keine Studien gibt, jedoch gibt es Bestandserhebungen zu einzelnen Insektenarten“, erläuterte Wuttke. Demnach ist die Zahl der auf der Roten Liste BW gelisteten Insekten über die Jahre immer länger geworden, z.B. sind dort mittlerweile die Hälfte von 460 Wildbienenarten aufgeführt. „Mit diesem Projekt wollen wir alle zusammen daran arbeiten, dass die Insekten am Renninger Berg nicht sterben.“

Besprechung zum Schutz der Insekten
 
Denn Insekten sind ein wichtiger Teil der Artenvielfalt. „Für den Mensch macht sich ihr Rückgang erst unmittelbar bemerkbar, wenn sich das auf die Vogelwelt auswirkt“, vermutet LEV Geschäftsführer Ralf Wegerer. „Vögel sind Bestandteil unserer Kulturlandschaft und sind überdies auch leichter zu bestimmen und zu zählen. Ihr Rückgang, beispielsweise bei Neuntöter, Kiebitz oder Feldlerche ist deutlich zu beobachten.“ Vögel sind insbesondere bei der Aufzucht ihrer Jungtiere hauptsächlich auf Insekten als Nahrungsquelle angewiesen; entsprechend kann auch der Rückgang der Vögel ein Indiz für das Insektensterben sein.
 
Die genauen Ursachen des Insektensterbens sind noch nicht erforscht, auch Lichtverschmutzung und immer weniger Lebensräume, beispielsweise auch durch geschotterte Vorgärten, mögen eine Rolle spielen. „Das Mähen der Wiesen ist nicht das Problem, denn die wurden schon immer bewirtschaftet“, betont Wegerer. „Artenreiche Blumenwiesen können nur durch eine regelmäßige Mahd so artenreich bleiben.“ Jedoch waren die Äcker und Wiesen früher kleiner und wurden selten zur selben Zeit gemäht. So gab es, wenn eine Wiese abgemäht wurde, immer einen Rückzugsort für die Insekten in unmittelbarer Nachbarschaft. Heute sind die Felder größer und die Maschinen moderner. Viele Hektar Wiese werden innerhalb weniger Stunden gemäht, was für Insekten und Vögel einen erheblichen Nahrungsschock darstellt.
 
„Der Lebensraum der Insekten hat sich gewandelt, aber man kann etwas tun, um ihnen Alternativen zu bieten“, appellierte Wuttke. „Es ist schön zu sehen, wie sich hier in Weil der Stadt viele Menschen zusammen getan haben, um etwas für den Insektenschutz zu tun.“
^
Redakteur / Urheber
Landratsamt Böblingen

Logo der Region Stuttgart Logo der Heckengäu Natur Nah Die ehemalige freie Reichsstadt Weil der Stadt mit den Stadtteilen Merklingen, Schafhausen, Münklingen und
Hausen liegt ca. 30 km westlich von Stuttgart im idyllischen Heckengäu und ist auf jeden Fall einen Besuch wert!