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Gemeinderat beschließt Katzenschutzverordnung


Im zweiten Anlauf hat der Gemeinderat mehrheitlich bei 2 Nein-Stimmen in seiner jüngsten Sitzung eine Katzenschutzverordnung für Weil der Stadt beschlossen. Vor knapp einem Jahr hatte der Gemeinderat die gleichlautende Verordnung abgelehnt. Die überwiegende Mehrheit des Rates hatte sich nach den Ausführungen von Tierschützerin Jutta Szabo sowie vom ebenfalls in der Sitzung anwesenden Leiter des Veterinäramtes Böblingen, Dr. Wilhelm Hornauer, von der Wichtigkeit der Katzenschutzverordnung überzeugen lassen. Im vergangenen Jahr hatte die Verwaltung keine externen Referenten eingeladen.

In Deutschland leben Schätzungen zufolge mehr als zwei Millionen verwilderte Katzen auf der Straße. Diese sind oft weder geimpft noch kastriert sowie häufig krank und abgemagert.

Verschlimmert wird dieses Leid durch die hohe Fortpflanzungsrate der Tiere. Als domestizierte Haustiere sind Katzen auf die Versorgung durch den Menschen angewiesen. Bei durchschnittlichen jährlichen zwei Würfen mit jeweils drei Jungtieren kann die Katzenpopulation rasch wachsen. Die Lebenserwartung von Katzen ohne menschliche Betreuung und medizinische Versorgung ist allerdings erheblich geringer als die von in menschlicher Obhut gehaltenen Katzen. So treten Katzenkrankheiten wie bspw. Katzenschnupfen signifikant häufiger auf, auch der Anteil an unterernährten Katzen ist deutlich höher.

Ziel der von der Verwaltung vorgelegten Katzenschutzverordnung ist es daher, die Katzenpopulation langfristig zu kontrollieren und somit vorbeugenden Tierschutz zu leisten. Die mit der Verordnung verpflichtende Kastration dämmt die Anzahl von Jungtieren ein. Um eine Kastration nachvollziehen zu können, sind zudem eine Kennzeichnung (Chip und Tätowierung im Ohr) und Registrierung des Tieres notwendig. Diese ermöglichen auch im Falle eines entlaufenen Tieres eine schnelle Zuordnung und Rückgabe an den Tierhalter. Die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht gilt für alle freilaufenden Halterkatzen. Unter freilaufenden Halterkatzen versteht die Verordnung von Menschen gehaltene Katzen, denen unkontrolliert freier Auslauf gewährt wird und die älter als fünf Monate sind.

Wird ab 1. Juli 2022 eine freilaufende, unkastrierte Katze ohne Registrierung entdeckt und der Halter nicht innerhalb von zwei Tagen ausfindig gemacht, darf die Kommune die Kastration der Katze durchführen. In der Praxis werden die Aufgaben von ehrenamtlichen Tierschützern wahrgenommen und koordiniert. Die Kosten dafür muss der Halter tragen, sofern er ausfindig gemacht wird. Bei wildlebenden Katzen werden die Kosten von einem Katzenkastrationsprojekt des Landkreises getragen. Tierschützerin Jutta Szabo, die sich in Weil der Stadt schon jetzt ehrenamtlich um den Katzenschutz kümmert, betonte in der Sitzung, dass die Tierschützer nur anlassbezogen ausrücken. Auch private Grundstücke würden nur in Absprache mit den Besitzern betreten.

Die Katzenschutzverordnung soll die Katzenbesitzer für das Thema „Kastration“ sensibilisieren. Eine flächendeckende Kontrolle durch das Ordnungsamt erfolgt nicht. Ebenso ist keine Anzeigepflicht bereits erfolgter Kastrationen vorgesehen. Vielmehr ermöglicht die Verordnung dem Ordnungsamt in begründeten Einzelfällen eine rechtssichere Handhabung.

Der Erlass der Katzenschutzverordnung dient auch der Rechtssicherheit für die ehrenamtlich tätigen Tierschützer. Diese haben in Weil der Stadt im vergangenen Jahr 25 freilaufende Katzen eingefangen und kastriert. Ohne die Verordnung konnte bisher beim Einfangen einer Besitzerkatze ggf. der Vorwurf der Sachbeschädigung (Tiere werden rechtlich wie Sachen behandelt) im Raum stehen.

Bürgermeister Christian Walter, der sich für den Erlass einer Katzenschutzverordnung stark gemacht hatte, dankte in der Gemeinderatssitzung den ehrenamtlichen Tierschützern und entgegnete den geäußerten Bedenken zu möglichen Grundrechtseingriffen, dass auch der Tierschutz ein im Grundgesetz verankertes Staatsziel sei.

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Redakteur / Urheber
Stadtverwaltung Weil der Stadt

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