Hochwasser- und Starkregenschutz

Heftige Starkregenereignisse in den letzten Jahren haben uns gezeigt: Unwetterartige Niederschläge können überall im Land und auch abseits von größeren Flüssen zu dramatischen Überschwemmungen führen.

Hochwasserschäden können nicht nur durch Überlastungen der Gewässer, sondern auch abseits der Gewässer durch sogenanntes „wild abfließendes Wasser“ entstehen. Ausgelöst werden solche Überflutungen meist durch lokal begrenzte Starkregenereignisse kurzer Dauer und hoher Niederschlagsintensität, z.B. in Form typischer Sommergewitter.

In der letzten Dekade war eine enorme Zunahme an Starkregenereignissen zu beobachten, bei denen katastrophale Überflutungen und hohe Schäden auftraten. Es muss davon ausgegangen werden, dass das heute wichtige Thema Starkregen durch die Folgen der Klimaänderung zukünftig noch weiter an Bedeutung gewinnen wird.

Mit der Hochwasserrisikomanagementrichtlinie hat das Land Baden-Württemberg eine EU Richtlinie umgesetzt aus der auch die Hochwassergefahrenkarten hervorgegangen sind. Die Hochwassergefahrenkarten liefern Informationen zu Überflutungsflächen und Wassertiefen bei Überschwemmungen. Differenziert wird, je nachdem, wie häufig diese auftreten, zwischen häufigen (HQ10), mittleren (HQ100) oder extremen Ereignissen (HQextrem). Laut Statistik kommt ein HQ10 und HQ100 mindestens einmal in 10 beziehungsweise 100 Jahren vor. Diese Wahrscheinlichkeit wird auch als Jährlichkeit bezeichnet. Das HQ100 gilt in Baden-Württemberg als festgesetztes Überschwemmungsgebiet. Diese Hochwasser gehen ausschließlich von Bächen und Flüssen aus. 

Wo sind Hochwassergefahrenkarten zu finden?
Die Hochwassergefahrenkarten des Landes Baden-Württemberg können im interaktiven Dienst Umwelt-Daten und -Karten Online (UDO) abgerufen werden. Klickt man in die Karte, steht eine Hochwasserrisikomanagement-Abfrage zur Verfügung. Sie liefert unter anderem genaue Informationen zur Wassertiefe (Überflutungstiefe) am ausgewählten Punkt – das kann auch das eigene Haus sein.

Die Hochwassergefahrenkarten für die Stadt Weil der Stadt sind ebenfalls im BürgerGis einsehbar.

Wer braucht Hochwassergefahrenkarten und wofür?
Kommunen nutzen Hochwassergefahrenkarten, um Hochwasserrisiken zu analysieren und zu bewerten. Sie sind unter anderem auch die Grundlage für die

  • Flächenvorsorge (wie das Freihalten von Flussauen oder die hochwasserangepasste Bauleitplanung),
  • Information und Eigenvorsorge der Bevölkerung,
  • Krisenmanagementplanung.

Hochwassergefahrenkarten helfen aber auch Bauherrinnen und Bauherrn, Anwohnerinnen und Anwohnern, Industrie und Gewerbe bei der

  • Verhaltensvorsorge (Kommunikationswege, Fluchtwege und Räumungen),
  • Bauvorsorge (hochwasserangepasstes Bauen, Objektschutz wie Abdichten von Türen und Fenstern),
  • Lagerung von Schadstoffen, die das Wasser gefährden.

Da sich in den letzten Jahren Starkregenereignisse häufen, die nicht nur Auswirkungen auf gewässernahe Zonen haben, hat die Stadt Weil der Stadt 2024 eine Untersuchung zum Starkregenrisikomanagement durch das Ingenieurbüro Wald + Corbe erstellen lassen. Dabei wurde die Gefährdungslage des Gemeindegebietes bei starkregenbedingten Überflutungen untersucht und darauf aufbauend Starkregengefahren- und -risikokarten erstellt sowie ein Handlungskonzept zur Gefahrenabwehr und Starkregenvorsorge entwickelt.

Das zentrale Ergebnis der Untersuchung sind die Starkregengefahrenkarten (SRGK). Diese zeigen die flächigen Ausdehnungen und Tiefen der Überflutungen sowie die tiefengemittelten Fließgeschwindigkeiten für drei verschiedenen Starkregenszenarien*. Die Szenarien der drei Abflussereignisse können wie folgt eingeordnet werden: selten < außergewöhnlich < extrem. Ein extremes Abflussereignis wird durch ein extremes Niederschlagsereignis (128mm in 1 Stunde) generiert und stellt eine Naturkatastrophe dar. Zur Konzeption von kleineren Schutzmaßnahmen wird empfohlen, sich am außergewöhnlichen Szenario zu orientieren. Es wird immer der Maximalwert (Überflutungstiefe, Fließgeschwindigkeit) über das Gesamtereignis (eine Stunde Beregnungszeit und eine Stunde Nachlauf) dargestellt. Das bedeutet, dass die in den Karten dargestellte Überflutungssituation nicht überall zum gleichen Zeitpunkt auftreten muss.

Die Starkregengefahrenkarten sind das Schlüsselelement zur Darstellung der Gefährdung und zur Identifikation von Risiken. Sie bilden die Grundlage zur Verortung der zu treffenden Vorsorgemaßnahmen. Mit Hilfe dieser Informationen können Sie abwägen, inwiefern Ihre Wohnung oder Ihr Haus von Starkregenszenarien betroffen ist.

Die Vorhersage vor lokal begrenzten Starkregenereignissen ist, im Gegensatz zu Hochwasser an großen Flüssen, mit großen Unsicherheiten behaftet, da diese Ereignisse räumlich und zeitlich hoch variabel sind. Durch die unsichere Warnlage ergeben sich extrem kurze Vorwarnzeiten, insofern ist es schwierig im Ereignisfall noch Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Grundstücks- und Hausbesitzer sollten daher frühzeitig Vorsorge treffen, um sich und ihr Eigentum zu schützen.

Die Starkregengefahrenkarten für die Stadt Weil der Stadt sind im BürgerGis einsehbar.

Die Sitzungsvorlage für den Gemeinderat sowie eine ausführliche Präsentation des Ingenieurbüros Wald + Corbe finden Sie im Ratsinformationssystem.