Das Projekt Kindergartenquartier Kirchenburg nimmt Gestalt an
Städtische Nachrichten
Unter dem Projektnamen Kindergartenquartier Kirchenburg soll in Merklingen ein neuer Kindergarten gebaut werden. Geplant sind 5 Gruppen mit insgesamt 95 Plätzen, davon 20 im U3-Bereich. Mit dem Neubau wird ausreichend Platz geschaffen, um die beiden Ü3-Gruppen des Kinderhauses an der Kirchenburg in der neuen Kita unterzubringen und zusätzliche Krippen- und Kindergartenplätze zu schaffen.
Um das Grundstück optimal zu nutzen, sollen über der Kindertagesstätte 23 Wohneinheiten mit Wohnflächen zwischen 60 m² und 140 m² entstehen. Bis zu fünf dieser Wohneinheiten sollen als sozialer Mietwohnraum angeboten werden.
Nach einer ersten Vorstellung der Pläne im März 2023 hatte der Gemeinderat gefordert, die Wirtschaftlichkeit und die Realisierungsmodelle des Projekts durch ein externes Unternehmen untersuchen zu lassen. Geprüft wurde beispielsweise, ob der Neubau durch die Stadt Weil der Stadt oder durch einen Investor realisiert werden soll oder ob die Wohneinheiten verkauft oder vermietet werden sollen. Die Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit und zum Realisierungsmodell wurden dem Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vorgestellt.
Die externe Bewertung kam zu dem Ergebnis, dass die Realisierung des geplanten Projekts für die Stadt Weil der Stadt wirtschaftlich ist, während sich das Projekt für einen Investor aufgrund der dort üblichen Renditeerwartungen und Projektabschreibungszeiträume nicht rechnet. Bei einer Vermietung der entstehenden Wohnungen und einem Renditeansatz unter 3 Prozent würde in 35 Jahren wieder eine schwarze Null stehen, so die Berechnungen. „Die Bereitstellung von Kitaplätzen oder die Schaffung von Wohnraum gehören zur Daseinsvorsorge. Deshalb ist es aus städtischer Sicht ausreichend, wenn sich das Projekt langfristig rechnet“, betonte Bürgermeister Christian Walter in der Sitzung. Ein privater Investor habe ganz andere Voraussetzungen, so der Rathauschef.
Das Gesamtinvestitionsvolumen des Projektes wird auf 17,8 Mio. Euro geschätzt. Darin enthalten sind alle Planungs- und Baukosten, aber auch die Finanzierungskosten und die Kosten für das Projektmanagement. Darüber hinaus rechnet die Stadt, je nach Anteil geförderter Wohnungen, mit bis zu 1,9 Mio. Euro an Fördermitteln. Das Projekt soll im städtischen Eigenbetrieb Liegenschaften realisiert werden.
Die Höhe des geplanten Neubaus und seine städtebauliche Einordnung in die Umgebung wurden bereits intensiv geprüft. Sowohl die Nachbarn, als auch das Landesdenkmalamt hatten diesbezüglich Bedenken geäußert. „Bei der Beurteilung spielen die umliegenden, durchaus stattlichen Gebäude wie das Kinderhaus an der Kirchenburg, der ehemalige Fruchtkasten, das Steinhaus oder die Remigiuskirche eine Rolle. Dem gegenüber steht eine normale Wohnbebauung in der Katharinenstraße, die allerdings südlich des Neubaus liegt und somit nicht verschattet wird. Die Frage war also: was passt gut zur Lage des Vorhabens in der Ortsmitte, ohne dem historischen und sonstigen Wohnumfeld zu viel Konkurrenz zu machen und gleichzeitig ausreichend Wohnraum zu schaffen?“, erläutert Erster Beigeordneter Jürgen Katz. Gelöst wurde dies durch eine Reduzierung der Traufhöhe. Durch die nun steilere Dachneigung muss zwar kein ganzes Geschoss entfallen, allerdings verringert sich die Geschossfläche im obersten Geschoss. Deshalb sollen nun 23 und nicht wie ursprünglich geplant 24 Wohneinheiten entstehen.
Parallel zu den Projektplanungen wurde auch der Bebauungsplan „Kindergarten Kirchenburg Merklingen“ vorangetrieben. So konnte der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung den Satzungsbeschluss fassen.
Nun müssen die Leistungen des Generalunternehmers ausgeschrieben und vergeben werden, damit im Frühjahr 2026 mit den vorbereitenden Arbeiten begonnen werden kann. Ab diesem Zeitpunkt ist eine archäologische Baubegleitung erforderlich. Die Sondierungen selbst gefährden den Zeitplan nicht. Sollte jedoch im Untergrund eine umfangreiche Merowinger-Siedlung zu Tage treten, würden die dann notwendige archäologische Freilegung und Dokumentation den Zeitplan voraussichtlich gefährden. Derzeit ist der Baubeginn ist für Mitte 2026 und die Fertigstellung für Ende 2027 geplant.
Anschließend soll der Kindergarten Rabennest im Merklinger Quellenweg in das Bestandsgebäude des Kinderhauses an der Kirchenburg verlegt werden, um auf dem Grundstück am Quellenweg einen Ersatzneubau für den Kindergarten Rabennest zu realisieren.
Nach Fertigstellung des Rabennest-Neubaus kann nach aktuellem Stand der Kita-Bedarfszahlen das Bestandsgebäude Kinderhaus an der Kirchenburg zu Wohnzwecken umgenutzt und gegebenenfalls veräußert werden.