Die Weiler Gaststätte „Rössle“ (Stuttgarter Straße 62) in den Beständen des Stadtarchivs

Archival des Monats

Anlässlich eines durch den Stadtarchivar gehaltenen Vortrags zur Geschichte der Gaststätte "Rössle" soll ein kurzer Blick auf die Informationen, die über die Jahrhunderte im Stadtarchiv Weil der Stadt zu diesem traditionsreichen Haus ihren Niederschlag gefunden haben, geworfen werden.

(Diverse Archivbestände)

Quellenzusammenhang
Der älteste Nachweis zum Gebäude in der Stuttgarter Straße 64 lässt sich nicht über Archivbestände führen, allerdings ermöglichte eine dendrochronologische Untersuchung eines Balkens im Rahmen von Umbaumaßnahmen eine Datierung zumindest einzelner Bauteile des Hauses auf das Jahr 1471. Einen weiteren Hinweis auf Baumaßnahmen im Jahr 1729 gibt der Schlussstein eines Türsturzes, weiterhin ist das Jahr 1743 für eine weitere bedeutende Umbaumaßnahme genannt, allerdings Stand heute ohne schriftliche Belege.

Aus den Unterlagen des Stadtarchivs Weil der Stadt lässt sich aus dem Bestand der Rechnungen der erste Nachweis für eine Gastwirtschaft „Rössle“ führen: in der ersten überlieferten Umgeldrechnung des Stadtarchivs Weil der Stadt von 1679 – das Umgeld war eine Verbrauchssteuer auf Wein und Bier - ist Balthasar SCHLOSSER als Rössleswirt eingetragen1. Er musste 47 Reichstaler Umgeld an die Stadt entrichten, das Rössle (damals noch "weißes Rössle" in Abgrenzung zum „schwarzen Rössle“, dem Rappen) lag damit dem Umsatz nach an vierter Stelle nach dem Schwarzen Adler, dem Goldenen Adler und dem Schwanen. Balthasar Schlosser, der offenbar aus Sachsenkam/Bayern stammte und später wohl in Calw ansässig war, fiel im Jahr 1699 vom Pferd und starb, er wurde bei Breitenberg begraben.2


Erste schriftliche Nennung des Gasthauses in einer Umgeldrechnung des Jahres 1679 am Stadtarchiv
© Stadtarchiv Weil der Stadt, Alle Rechte vorbehalten

Im Jahr 16933, 16954 und 16965 war ein Hans Michael LUTZ Rössleswirt – auch hier fungieren die Umgeldrechnungen als Quelle. Zum Gebäude selbst ist in diesen Rechnungen jedoch nichts enthalten. Dann erscheinen Anfang des 18. Jahrhunderts Mitglieder der Familie GALL. und zwar die Söhne des Rappenwirts Josef GALL: zunächst ein Hans Michael GALL, und dann ein Franz GALL. Zu diesen Söhnen gehört auch der spätere Schultheiß von Tiefenbronn und Grossvater des Schädelforschers Franz Joseph GALL sowie Bürgermeister Anton GALL, Vater des Linzer Bischofs Joseph GALL.

Die Besitzer im 19. Jahrhundert lassen sich über das „Brandversicherungscataster“ sowie die Güterbücher im Stadtarchiv ermitteln: 

1806: Michel SCHÖNINGER, Rößleswirt und Jacob BURGER, Zeugmacher, je zur Hälfte6. 

1827: Jung Johannes SCHÖNINGER als Besitznachfolger von Michel Schöninger,7  

1831 Johannes KOCH, Rößleswirt als Besitznachfolger von Jacob Burger, 

1840 besitzt Johannes SCHÖNINGER, Tuchmacher, das Rössle ganz.

1843 kauft Jean EBLE das Rössle von Johannes Schöninger8

1853 ist Ferdinand SCHÖNINGER (*04.11.1818 † 11.05.1875) Besitzer des Rössle9

Güterbuchheft des Ferdinand Schöninger, Rösslewirt
© Stadtarchiv Weil der Stadt, Alle Rechte vorbehalten

1879 und 1889 ging der Besitz auf den Sohn Josef Ferdinand über10

Im 20. Jahrhundert dann war Franz Ludwig SCHÖNINGER (*14.07.1886, † 22.02.1946), Sohn des Josef Ferdinand, Besitzer des Anwesens. Im folgte sein Sohn Franz SCHÖNINGER (*22. Mai 1925, † 24.02.2000). Dieser besaß das Gebäude bis nach seinem Tod durch eine Erbengemeinschaft der Verkauf an die Schmidt-Adler-Stiftung erfolgte

Das heutige Sailerstüble (Gebäude 209a) wird beschrieben als "2 stockiges Brauhaus", , es wurde mutmaßlich im Jahr 1830 durch den damaligen Rössleswirth Johann Koch erbaut11 

1843: Jean Eble, Bierbrauer und Jung Johannes Schöninger je zur Hälfte, 

1853 Ebles Teil an Johannes Schöninger, Rößleswirt. 

Das Gebäude Nr. 208 war eine Scheuer und gehörte in der Regel zum Besitz des Rössleswirt. Insofern ergeben die Gebäude Rössle, heutige Seilerstube und heutiges Puppenmuseum eine Einheit, die zum Anwesen Rössle gehörte.

Das Gebäude Nr. 210 war das Waschhäusle, es hatte ein Stockwerk und war im Besitz der Gemeinde. Dieses Haus wurde 1868 abgebrochen.




Fußnoten
[1] Stadtarchiv Weil der Stadt, Umgeldrechnung 1679
[2] Ratsprotokoll 1699, Blatt 287 v
[3] Stadtarchiv Weil der Stadt Umgeldrechnung 1693/1694
[4] Ratsprotokoll 1695 Blatt 453
[5] Stadtarchiv Weil der Stadt Umgeldrechnung 1696
[6] Stadtarchiv Weil der Stadt Brandversicherungscataster 1806
[7] Stadtarchiv Weil der Stadt Güterbuchheft Nummer 146
[8] Stadtarchiv Weil der Stadt Güterbuchheft Nummer 110
[9] Stadtarchiv Weil der Stadt Güterbuchheft Nummer 193
[10] Stadtarchiv Weil der Stadt, Güterbuchheft Nummer 717
[11] Stadtarchiv, Ungeordnete Beilagen zu den Bauschauprotokollen Nr. 452