Kurzstudie über ein Wärmenetz in der Weiler Altstadt

Städtische Nachrichten

Im Februar hat der Gemeinderat die Kommunale Wärmeplanung beschlossen. Bei der Kommunalen Wärmeplanung wird untersucht, wie die Wärmeversorgung in Weil der Stadt künftig klimaneutral gestaltet werden kann. Der Begriff „Planung“ ist jedoch etwas irreführend. Vielmehr geht es darum, Potenziale für zentrale Wärmenetze zu untersuchen. 

Ergebnisse der Kommunalen Wärmeplanung

Für die Untersuchung wurde das Stadtgebiet in 67 Teilgebiete unterteilt. Das Zielszenario für das Jahr 2040 zeigt: Rund 82 Prozent der Haushalte werden ihren Wärmebedarf mit individuellen Lösungen decken müssen. Dazu zählen beispielsweise Wärmepumpen, Biomasseheizungen oder Solarthermie.

Für eine zentrale Wärmeversorgung über Wärmenetze kommen nur wenige Gebiete infrage. Neben einem kleinen, eher theoretischen Teilgebiet in Merklingen ist dies vor allem ein Teil der Weiler Altstadt.

Kurzstudie: Wärmenetz für die Altstadt

Um das tatsächliche wirtschaftliche und technische Potenzial in der Weiler Altstadt genauer zu untersuchen, hatte die Verwaltung ein Fachbüro mit einer Kurzstudie beauftragt. Dafür wurden verschiedene Energieträger auf ihre Eignung und Wirtschaftlichkeit untersucht. 

Die Kurzstudie bestätigt: Die Weiler Altstadt ist grundsätzlich für ein Wärmenetz geeignet. Die aussichtsreichste Variante wäre laut Studie eine Kombination aus einem Biogas-Blockheizkraftwerk, nämlich einem Biogaskessel und einem Holzhackschnitzelkessel. 

Hohe Hürden und hohe Kosten

Allerdings gäbe es auch für diese Variante hohe Hürden: Damit sich das Wärmenetz wirtschaftlich betreiben ließe, müsste die Anschlussquote bei mindestens 70 % liegen. Auch ein geeigneter Standort für die Heizzentrale wäre schwer zu finden. Schutzgebiete, Konflikte mit dem Denkmalschutz und fehlende verfügbare Grundstücke schränken die Möglichkeiten erheblich ein. 

Die Investitionskosten für diese Variante wurden auf rund 13 Mio. Euro geschätzt. Abzüglich einer möglichen Förderung lägen die Kosten bei rund 7,8 Mio. Euro. Daraus ergeben sich sogenannte Wärmegestehungskosten von rund 15,13 Cent pro Kilowattstunde.

Damit lägen die Kosten über dem allgemein formulierten Wirtschaftlichkeitsgrenzwert von rund 15 Cent pro Kilowattstunde. Dieser Wert dient als Maßstab dafür, ob ein Wärmenetz gegenüber dezentralen klimafreundlichen Lösungen wirtschaftlich konkurrenzfähig ist.

Wärmenetz vorerst nicht weiterverfolgt

Die Studie kommt zu dem Fazit, „dass trotz der hohen Wärmedichte im Betrachtungsgebiet die Wirtschaftlichkeit eines Wärmenetzes voraussichtlich nicht automatisch besser sein wird als eine dezentrale Lösung. Die Wirtschaftlichkeit hängt demnach nicht nur von der Wärmedichte, sondern auch maßgeblich vom Potenzial zu kostengünstiger nachhaltiger Wärme ab.“

Die Studie empfiehlt, die Ergebnisse durch eine weitergehende Untersuchung zu konkretisieren. Die Stadtverwaltung wird diesen Schritt zunächst jedoch nicht weiterverfolgen. Die fragliche Wirtschaftlichkeit des Wärmenetzes und die unklaren Pläne der Bundespolitik, aber auch die mit der Studie verbundenen Kosten sprechen dagegen. 

Kompromisse für dezentrale Lösungen

Auch bei dezentralen Lösungen gibt es in der Altstadt Schwierigkeiten: Konflikte mit dem Denkmalschutz, dem Nachbarschaftsschutz und den Abstandsregeln bei Wärmepumpen, die eingeschränkt mögliche Photovoltaik-Nutzung oder der Platzmangel für Pellet-Lager. 

„Wir werden Kompromisse finden müssen, um den Bewohnern zu ermöglichen, die zukünftigen gesetzlichen Vorgaben überhaupt einhalten zu können. Ein zentrales Wärmenetz ist aus heutiger Sicht allerdings sehr unwahrscheinlich“, fasst Bürgermeister Christian Walter die Ergebnisse zusammen.

Redaktion

Stadt Weil der Stadt