Kostplan, Diätordnung und Diätzettel des Spitals Weil der Stadt 1813

Archival des Monats

Die Schriftstücke finden sich in einem Aktenkonvolut mit Quartierlisten der Zeit zwischen etwa 1810 und 1820. Die Stadtverwaltung hatte die Aufgabe, für die Unterbringung und Versorgung durchziehender Truppenteile zu sorgen. In aller Regel wurden die Soldaten in privaten Haushalten untergebracht.

Die Unterkunft- und Kostgeber wurden für ihre Dienste entschädigt. Die Zahlungen der Truppenversorgungsstellen an die Privatleute wurde über die städtische Verwaltung abgewickelt, die zu diesem Zweck Quartierlisten führte. Vermutlich ist der Diätplan des Spitals deshalb dem Aktenbüschel „Quartierlisten“ zugeordnet worden, weil die durchziehenden Soldaten, wenn sie krank waren, im Spital untergebracht und dort bei Bedarf eine passende Diätkost erhielten. Diese Annahme wird dadurch gestützt, dass die unterzeichnenden Ärzte als Regimentsarzt bzw. Feldarzt ebenfalls den Militär zugeordnet werden müssen.
(unverzeichneter Bestand Akten Weil der Stadt)



Transkription[1]

Diätordnung und Ausmahs
 
Die Dieät besteht
täglich
früh, mittags und abends aus einer gutten Rindsuppen mit etwas Semmelschnitten, mittags und abends aus gekochten, mit etwas Zucker versüßten Zwetschken oder andern getrokneten Obst, auch frische Apfel in etwas Wein gedünstet. Wein wird extra dazu verordnet.
 
Viertel Portion besteht
ditto[2]
früh, mittags und abends aus einer gutten Rindsuppe mit Nudeln oder geriebenen Gärstel, dan zwei Kreutzer Wecken, mittags und abends entweder in der Milich ausgedünsten Reiß oder etwas gutt Semmel oder Mehlschmarn (Pfannenkratze oder Streubetz) nebst diesen mittags oder abends etwas gedünste Obst oder Zwetschken. Der Wein wird extra ordinirt.
 
Drittel Portion besteht
ditto
früh mittags und abends aus der nehmlichen Suppe wie bey der viertel Portion, mittags eingemachtes Kalb- oder jungen Rindfleisch (mit Soos-Brühe), abends aus oben bey der viertel Portion benannten Mehlschmarrn und gedünsten Obst, Mittag zwey Kreutzer Weken so auch des abends. Wein wird extra ordinirt.
 
Halbe Portion besteht
ditto
früh, mittags und abends aus einer hinlänglichen Quantität gutter Rindsuppen mit Mehlspeiß, mittags und abends aus Zuspeiß mit Rindfleisch. Täglich 1 ½ Pfund halbweißes Brod. Wein wird extra ordinirt.
 
Die ganze Portion besteht
ditto
früh mittags und abends aus der Suppen wie bey der halben Portion. Mittags und Abend guttes Zugemüß und Rindfleisch, täglich 2 Pfund halbweißes Brod. Wein wird extra ordinirt.
 
Sig[ulum] Weil die Stadt den 3 ten Decembris 1813
 
Haagen
 
Feldarzt

[1] Buchstabengetreue Umschrift, Groß- und Kleinschreibung, Zusammenschreibungen sowie Satzzeichensetzung nach heutigem Gebrauch; allgemein verständliche Abkürzungen ausgeschrieben.
[2] gemeint: täglich


Diäet Zettel
auf den 14 ten December (1)813
 
Unteres Zimmer
1ter Kranker erhält Diaet ½ S[choppen] Wein
2ter dto          dto      drittel Portion ½ S. Wein
3ter dto          dto      Diaet
4ter dto          dto      Viertel P[ortion], ½ S. Wein
 
Oberes Zimmer
1ter Kranker erhält ganze Portion ½ S. Wein
2 ter dto         dto      Diaet
3ter dito         dto      drittel Portion
4ter dto          dto      ganze Portion, 1 S. Wein
5ter dto          dto      Diaet
 
N.B. Der Fleisch Hakker ist aus dem Spital in sein Quartier gegangen
Sigl. Stadt Weil am 14 Decembris [1]813
 
Dr. Holtzmann
Reg[imen]ts Arzt



Diaet-Zettel
auf den 5ten Decembri [1]813
Unteres Zimmer
1ter Kranker halbe Portion, 1 Schoppen Wein
2ter dto          Diät, ein halben Schoppen Wein
3ter und 4 ter Kranker Drittel Portion je Kopf, 1 S. Wein
 
Oberes Zimmer
1ter Kranker Fleischhakker halbe Port., 1 S. Wein
2ter, 3ter, 4ter Kranker ganze Port. pro Kopf, 1 S. Wein
 
Die Speißen sind nach hierauf gegebener Vorschrift mittags um 11 und abends um 6 Uhr den Kranken zu bringen.
 
Dr. Haagen
Feld Arzt