Vertriebene - Aufnahme von Eisenbahnern aus Rheinhessen, 1923

Archival des Monats

Um die stockenden Reparationszahlungen durchzusetzen, besetzten am 11. Januar 1923 5 französische Divisionen und 1 belgische Division das Ruhrgebiet. Beamte und Angestellte der deutschen Behörden wurden unter die Befehlsgewalt der interna-tionalen Rheinkommission gestellt, die sich aus den Siegermächten des 1. Welt-kriegs Frankreich, England, Belgien und USA zusammensetzte. Die Reichsregierung und die betroffenen Länderregierungen riefen daraufhin zum passiven Widerstand auf. Betroffen war das gesamte linksrheinische Gebiet, das von den Alliierten besetzt war.

Die Rheinkommission reagierte auf die Verweigerungshaltung mit aller Härte: binnen 24 Stunden mussten die Streikenden das Land verlassen, ihre Familien hatten 4 Tage Zeit für den Nachzug. Betroffen von den Ausweisungen waren 17000 Eisenbahnarbeiter aus dem Gebiet Rheinhessen und von den Eisenbahnwerkstätten in Darmstadt, einige fanden Aufnahme in Weil der Stadt.
 
Die ins Stadtarchiv übernommenen schriftlichen Unterlagen der Verwaltung werden nach ihrer äußeren Form und nach ihrem Entstehungszusammenhang (bzw. nach ihrer Ämterherkunft) unterschieden in die Hauptbereiche Urkunden, Bände, Rechnungen und Akten. Die Akten wiederum werden in der zur Zeit ihrer Entstehung gültigen Aktenordnung übernommen und in dieser Ordnung im Archiv verzeichnet. So gibt es allein für die Akten Weil der Stadts vier Aktenschichten, die sich zeitlich zwar geringfügig überschneiden, grob aber in 4 Epochen einteilen lassen.
 
(Bestand Akten Weil der Stadt 2, Akten nach Flattichplan Epoche I, FL 17095/10)


Rundschreiben des Württembergischen Arbeitsministeriums an die Oberämter und Gemeinden des Land (Blatt 1-5)

Rundschreiben des Oberamts Leonberg vom 14.7.1923 wegen Meldung verfügbarer Wohnplätze für Flüchtlinge

Fragebogen der Reichsbahndirektion Stuttgart/Württ. Hilfsstelle für Vertriebene
Beschlagnahme-Verfügung des Wohnungsamts Weil der Stadt vom 14.7.1923

Notizzettel von Bürgermeister Hermann Schütz zur Unterbringung  von Vertriebenen in Weil der Stadt, Juli 1923
Schütz stellt fest, dass die Vertriebenen in den Gasthöfen Ritter, Baum, Linde, Engel, Löwen und bei Anton Stotz untergebracht werden können.
Gestellt werden müssen Möbel, Kochgeschirr und Betten. Herde werden von der Generaldirektion geliefert. Nach Württemberg kommen 1600 Familien, aufgeteilt in 4 Transporte, dem Oberamt Leonberg werden 8 Familien zugewiesen, Weil der Stadt kann 2 Familien aufnehmen.
Bis Freitag soll dem Oberamt gemeldet werden, wieviel Familien untergebracht werden und wieviel Betten zur Verfügung stehen.